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Regeln Mestre Bimba

In der academia von Mestre Bimba hing eine Tafel mit 16 Ge- und Verboten. Oft findet man diese Liste auch mit nur 9 Punkten, ich habe mich jedoch entschieden, die komplette Liste zu veröffentlichen. Einige muten etwas skurril an, andere kann man nur unterstützen. Die Quelle, Mestre Deputado war ein Schüler von Mestre Bimba, als dieser in Goiania lebte.

  • Na casa dos outros, se for dormir, durma com um olho fechado e outro aberto.
  • Não dobre esquinas.
  • Não passe debaixa de árvores frondosas á noite.
  • Não sente de costas pra rua em lugar algum.
  • Não ande em ruas escuras.
  • Seguro morreu de velho.
  • Na roda, se cochilar o cachimbo cai.
  • Deixe de fumar. È proibido fumar durante os treinos.
  • Deixe de beber. O uso do álcool prejudica o metabolismo muscular.
  • Evite demonstrar aos seus amigos de fora da roda de capoeira os seus progressos. Lembre-se de que a surpresa é a melhor aliada na luta.
  • Evite conversar durante os treinos. Você está pagando pelo tempo que passa na academia e observando os outros lutadores aprenderá mais.
  • Gingue sempre.
  • Pratique, diaramente, os exercícios fundamentais
  • Não tenha medo se aproximar do oponente. Quanto mais próximo se mantiver, mais aprenderá.
  • Conserve sempre o corpo relaxado.
  • È melhor apanhar na roda do que na rua.

    Übersetzung (Suxi):

  • Wenn Du im Haus eines anderen schläfst, schlafe mit einem offenen und einem geschlossenen Auge.
  • Biege nicht in Ecken ein. 
  • Gehe nachts nicht unter dicht belaubten Bäumen. 
  • Setze Dich nicht irgendwo mit dem Rücken zur Straße hin. 
  • Laufe nicht in dunklen Straßen. 
  • Sicher währt am längsten. 
  • Wenn man in der Roda schläft, fällt die Pfeife. Mit anderen Worten, man bekommt was auf den Deckel (Anmerkung des Übersetzers). 
  • Gib das Rauchen auf. Es ist verboten, während der Trainingsstunde zu rauchen. 
  • Vermeide es deinen Freunden außerhalb der Capoeira-Roda deine Fortschritte zu zeigen. Denk daran, dass die Überraschung dein bester Verbündeter im Kampf ist. 
  • Vermeide es während des Trainings zu schwätzen. Du bezahlst für die Zeit, die Du in der academia verbringst, und  beim Beobachten der anderen Kämpfer kannst du viel lernen. 
  • Geh immer in die Ginga. 
  • Trainiere täglich die Basis-Übungen. 
  • Habe keine Furcht Dich dem Gegner zu nähern. Je näher Du an ihm dran bist, desto mehr kannst Du lernen. 
  • Lass den Körper immer entspannt. 
  • Es ist besser sich in der Roda zu schlagen als auf der Straße.


 

 

 
Capoeira
 
 

 
 
Capoeira Regional

Capoeira Regional ist der Capoeira-Stil, der von Manoel dos Reis Machado, bekannt als Mestre Bimba, erfunden wurde. Mit der Schaffung des Capoeira Regional entstanden völlig neue Schläge und Bewegungen, außerdem hatte es einen dynamischeren Rhythmus als die Capoeira Angola.

Als Mestre Bimba hatte den Eindruck, dass die Capoeira Angola, so wie er es ausübte und auch bereits unterrichtete, verändert werden musste. Nach seiner Meinung nach ließ die Capoeira Angola in kämpferischer Hinsicht zu wünschen übrig. Capoeira hatte sich zurückentwickelt zu einem „Tagesmenü“ für „Pseudocapoeiristas“, die die Capoeira Angola nur für Vorführungen auf Plätzen benutzten. Dazu verfügte die Capeoira nur über eine eingeschränkte Anzahl an Schlägen. Mestre Bimba verknüpfte deswegen „Batuque“ mit Capoeira Angola, um mehr Agilität in die Bewegungen zu bringen. Er wollte ein fröhlicheres, heitereres, akrobatischeres und agileres Spiel und schuf so, was er Regionalkampf von Bahia nannte – also Capoeira Regional. Von seinem Vater hatte Mestre Bimba die Kunst des Batuque gelernt, eines wilden und gewalttätigen afrikanischen Kampfes, bei dem das Ziel ist, den Gegner nur mit den Beinen zu Fall zu bringen. Sein Vater, Luiz Cândido Machado, war Meister dieser Kunst.

All dies spielte sich um das Jahr 1928 ab und diese Spielart des Capoeira wurde zunächst Bahianisches Capoeira Regional genannt, weil es nur in Salvador, der Hauptstadt des Staates Bahia, gespielt wurde. Ab den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, in Zeiten der Politik des „Neuen Staates“, durchlief Brasilien eine Phase vieler Änderungen auf politischer, kultureller und sozialer Ebene; dabei kam die Modernisierung von selbst. Im Zuge all dessen entstand für Mestre Bimba die Gelegenheit, seinen Capoeirastil in die höheren gesellschaftlichen Schichten zu bringen. Im Jahre 1936 gab er die erste öffentliche Vorstellung seiner Arbeit und wurde ein Jahr später vom Gouverneur Bahias, General Juracy Magalhães, für eine Vorstellung in den Regierungspalast eingeladen, bei der auch diverse wichtige Persönlichkeiten aus Staat, Verwaltung und Gesellschaft anwesend waren. Nach dieser Vorführung wurde Capoeira Regional als Nationalsport angesehen, Mestre Bimba wurde vom Kultus- und Sozialministerium von Bahia zum Sportlehrer ernannt und seine Capoeiraschule wurde als erste in Brasilien gesetzlich anerkannt.



Mestre Bimba


Manoel dos Reis Machado war der Sohn von Luiz Cândido Machado und Maria Martinha do Bonfim und wurde am 23. November 1900 bei Freguesia im Stadtteil Engenho Velho / Salvador de Bahia geboren.

Sein Spitzname „Bimba“ geht auf eine Wette seiner Mutter mit ihrer Hebamme zurück – seine Mutter Martinha glaubte, sie würde ein Mädchen zur Welt bringen, während die Hebamme meinte, es werde ein Junge sein. Die Hebamme gewann die Wette und der kleine Manoel bekam den Spitznamen „Bimba“, was ein umgangssprachlicher Ausdruck in Bahia für das männliche Sexualorgan ist.

Mit 12 Jahren fing er mit Capoeira an und hatte als Meister einen Afrikaner namens Bentinho, der auch Kapitän bei der Bahianischen Schifffahrtsgesellschaft war. Bimba lernte bei Bentinho ungefähr vier Jahre; danach begann er selbst zu unterrichten, was er bei Bentinho gelernt hatte und gab rund zehn Jahre Unterricht für Capoeira Angola bei der Hafenverwaltung von Bahia.

Im Jahre 1932 gründete er seine erste Schule für Capoeira Regional in Engenho de Brotas in Salvador. Es war das regionale Zentrum Bahias für Körperkultur. Von da an stieg der Bekanntheitsgrad von Mestre Bimba, er wurde berühmt und bekam von vielen den Spitznamen „Vater des modernen Capoeira“.

Erst im Jahre 1937 erhielt er vom Kultus- und Sozialministerium in Salvador die Zulassung für seine Schule und 1942 eröffnete er seine zweite Schule auf dem Terreiro de Jesus, Rua das Laranjeiras, heute Rua Francisco Munis Barreto 1, die auch heute noch unter der Leitung von seinem ehemaligen Schüler Mestre Vermelho 27 (mittlerweile Mestre Bamba) existiert.
Verbittert von falschen Versprechungen der Regierung, Mangel an Unterstützung und finanziellen Schwierigkeiten starb Mestre Bimba am 15. Februar 1975 in einem Krankenhaus in Gôiania an einer Gehirnblutung.

Mestre Bimba war in seinem Leben Köhler, Hafen- und Lagerarbeiter und Zimmermann, aber vor allem Capoeirista, Mestre des Capoeira und die Flamme seiner Existenz wird stets im Herzen und der Seele aller Capoeiristas brennen und auf diese Weise die Anerkennung über Generationen hinweg bekommen, genauso wie die Würdigung seiner Genialität und seiner bekanntesten Erfindung, dem Capoeira.
Mestre Bimba ernannte keine Mestres. Um von Mestre Bimba die höchste Graduierung (Titel: Grad der Spezialausgebildeten) zu erhalten, musste man folgende Stationen durchlaufen: Aufnahmeprüfung in die Schule, Taufe, Abschlussprüfung und Spezialisierungskurs.

AUFNAHMEPRÜFUNG IN DIE SCHULE

Mestre Bimba erzählte, dass er kein zwielichtige Typen in seiner Schule haben wollte. Er war der Meinung, dass solche Gestalten dem Image des Capoeira schweren Schaden zufügten. Für die Anmeldung musste ein Bewerber somit berufstätig oder in Ausbildung sein und einen von Mestre Bimba durchgeführten Test bestehen. Er erzählte, dass er einmal dem Bewerber eine „Krawatte“ um den Hals band und sagte: „Halt’ das aus, ohne zu röcheln!“. Wenn der Bewerber das schaffte, war er angenommen, wenn nicht, musste er sich eine andere Schule suchen. Mestre Bimba sagte, dass er dadurch viele Schüler und viel Geld verloren habe, rechtfertigte es aber damit, dass er in seiner Schule nur echte Männer haben wollte.

Später änderte er die Prüfung, jetzt musste der Schüler mit seiner Hilfestellung eine „Brücke“ machen, die den Neuling mit den Händen den Boden berühren ließ und verlangte, dass der Schüler eine zeitlang in dieser Position aushielt: „Zeig’ mir Deine Gelenkigkeit und ich werde Dir sagen wer Du bist, denn zu viel oder zu wenig Gelenkigkeit schadet nur“. Später bestand der Test aus einer „queda de rins“ nach links und nach rechts, und mittig ein kleiner Stand, bei dem die Fersen berührt werden mussten, gestützt nur von den Händen. Nach dieser Übung gab er bekannt, ob der Bewerber zugelassen wurde oder nicht.

TAUFE (BATIZADO)

Die Taufe bzw. das „Batizado“ bestand darin, jedem Neuling einen Spitznamen zu geben, unter dem er danach in der Schule und der Welt des Capoeira bekannt war. Dieser Spitzname war sein „Kampfnahme“: als Inspiration für ihn konnten zum Beispiel körperliche Eigenarten (z. B. Mestre Gigante = Riese), der Stadtteil, wo der Schüler wohnte (z. B. Mestre Itapoan = Stadtteil von Salvador), der Beruf (z. B. Mestre Deputado = Abgeordneter), die Art sich zu kleiden (z. B. Mestre Camisa = Hemd), Einstellungen (z. B. Mestre Preguiça = Faulheit) oder ein artistisches Talent dienen. Laut Mestre Bimba diente der Spitzname den alten Capoeiristas auch zur Verschleierung ihrer Identität, weil sie für die Polizei so nicht mit ihrem wahren Namen zu identifizieren waren.

Einen Schüler zu taufen bedeutete in der Schule von Mestre Bimba auch, ihn zum ersten Mal in Begleitung eines Berimbaus spielen zu lassen, weil das Training der Sequenzen ohne Beleitung irgendeines Instruments stattfand. Der Mestre suchte einen graduierten Schüler aus und spielte „São Bento Grande“, was für Capoeira Regional steht. Der Graduierte begleitete den Neuling und forderte von ihm die erlernten Abwehrbewegungen und Schläge. Am Ende des Spiels stellte der Mestre den Neuling in die Mitte und fragte die Graduierten nach einem Spitznamen oder er gab ihn direkt selbst. Nachdem ein Name gefunden war klatschten alle in die Hände und der Mestre ordnete den „Segen des Paten“ an, woraufhin der Neuling die Hand zu dem Graduierten ausstreckte, der ihn getauft hatte und den „Segen“ empfing, ein Fußtritt, der ihn zu Boden warf. Das war allerdings eine reine Veralberung, die nicht zwingend war; es gab fitte Neulinge, die dem „Segen“ ausweichen konnten und es dann dabei blieb.

Diese Taufe war eine Kreation Mestre Bimbas für seine Schule, in der Vergangenheit hatte es sie nicht gegeben. Es war eine Eigenart des Capoeira Regional, dass später, als es schon eine größere Anzahl von graduierten Schülern gab, eine Neulingsparty oder Batizadoparty gefeiert wurde. Daher ist es gut, dass alle, die dieses Fest auch heute feiern, sich im Dank an die Herkunft dieses Fests erinnern – es ist unsere Verpflichtung, die Traditionen des Capoeira Regional des „alten Herrn“ Bimba zu bewahren.

Vorsicht, einen Schüler beim Batizado zu Fall zu bringen sollte vermieden werden, weil es ein Risiko für den Neuling, seine körperliche Unversehrtheit und seine Moral bedeutet. Hinfallen ist immer eine Folge des Spiels, aber keine Verpflichtung. Es werden Würfe angewandt, bei denen es selbst gute Capoeiristas nicht schaffen, richtig zu fallen, geschweige denn ein Anfänger. Ein anderer Punkt ist, dass manche „Mestres“, „Professores“ oder „Formados“ beim Einstieg ins Spiel zur Taufe eines Neulings allen zeigen wollen, dass sie die Größten sind und alle möglichen Arten von Bewegungen zeigen – vor allem Sprünge, die nichts mit dem wahren Capoeira zu tun haben – und so dem Neuling die Bühne nehmen, weil er es ist, der bei dieser Gelegenheit zeigen soll, was er kann. Etwas Mäßigung und mehr Capoeira wären für diesen Anlass ideal. Der Profi hat alle Rodas der Welt, um sein Können unter Beweis zu stellen, der Neuling nicht. Und außerdem: wozu Schläge mit so viel Härte gegenüber einem Anfänger ausführen, der bisher noch nicht einmal Reflexe hat? Das Fest gebührt dem Anfänger, er ist die Hauptperson und soll er im Fokus stehen. Laut Bimba ist das das Gesetz der Batizado, das Gesetz der Capoeira.

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Artikel

Matthias Röhrig Assunção;

CAPOEIRA - Zur Geschichte einer afro-brasilianischen Kunstform zwischen Anpassung und Widerstand

von Matthias Röhrig Assunção. In seinem Essay zeichnet der Autor in kompakter und gut lesbarer Form die wesentlichen Stationen der Geschichte der Capoeira nach. Zudem geht er der Frage nach inwieweit die Capoeira auch als Widerstandsform Bestand hat und welche Rolle sie als afro-brasilianische Kulturform in der Modernisierung der brasilianischen Kultur spielt.
Der Artikel erschien 1999 in Dietmar Rothermund (Hg.), Aneignung und Selbstbehauptung in der Geschichte der Europäischen Expansion, Oldenbourg, München, S. 317-44. Der Text ist in vier Teile gegliedert:


Ein besonderer Dank gilt dem Oldenbourg-Verlag, der die Rechte an dem Text besitzt und ihn uns unentgeltlich zur Verfügung gestellt hat, da insbesondere der Lektorin Cordula Hubert.

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Matthias Röhrig Assunção ist in Rio de Janeiro aufgewachsen und studierte Geschichte und Lateinamerika-Studien in Paris. Nach längerem Forschungsaufenthalt in Brasilien promovierte er am Fachbereich Geschichtswissenschaft der FU Berlin (1990) über die Plantagensklaverei im Norden Brasiliens. Seit 1984 unterrichtet er Lateinamerikanische Geschichte, erst an der FU Berlin und seit 1993 an der Universität Essex in Großbritannien. Seine Veröffentlichungen behandeln die Geschichte der Sklaverei, die afro-brasilianische und afro-venezuelanische Volkskultur, insbesondere die Kampfkünste und den Karnaval im "Schwarzen Atlantik". Er arbeitet z. Zt. an einem Buch über die Geschichte der Capoeira, daß voraussichtlich 2002 bei Frank Cass erscheinen wird.



Raimundo César Alves de Almeida
Von der Sklavenhütte ins Gymnasium

Dieser Artikel ist eine Übersetzung aus dem Portugiesischen - Da senzala a ginastica brasileira.
Im Artikel beschreibt Raimondo Cesar Alves die Entwicklungder Capoeira, von Beginn der Kolonialisierung, als man sie noch als Sklaventanz bezeichnen konnte, über den Strassenkampf bis hin zum brasilianischen Kampfsport.


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Bücher

4 Bira Almeida
Capoeira - A Brazilian Art Form
Englischsprachig
North Atlantic Books/ ISBN 0938190296

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1 Dirk Hegmanns
Capoeira - Die Kultur des Widerstandes
Deutschsprachig
Schmetterling Verlag/ ISBN 3-926369-92-2

Der promovierte Soziologe Dirk Hegmanns hat mehrere Jahre in verschiedenen Laendern Lateinamerikas gelebt und gearbeitet. In Brasilien kam er mit der Kultur der Capoeira in Beruehrung und studierte sie bei Mestre Sapo in Olinda. Heute lehrt Hegmanns Capoeira in Deutschland. Ferner ist er als freier Publizist und als Dozent an der Universitaet Bielefeld taetig.
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Piero Onori
Sprechende Koerper
Deutschsprachig
Edition diá., St.Gallen/Koeln / ISBN 3-905482-33-9

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3 Nestor Capoeira
Capoeira - Kampfkunst und Tanz aus Brasilien
Deutschsprachig
Weinmann-Verlag / ISBN 387892068-7

Der Autor beschreibt die atemberaubenden Techniken der Capoeira, ihre hervorragende Körperschule und die besondere Philosophie dieser Kampfkunst in aller Ausführlichkeit.
Die spannende Geschichte der Capoeira, von der Notwehr der Sklaven vor drei Jahrhunderten bis heute, ist ein symbolträchtiger Bestandteil der brasilianischen Kultur

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5 J. Lowell Lewis
Ring of Liberation : Deceptive Discourse in Brazilian Capoeira
Englischsprachig
University of Chicago Press/ ISBN 0226476839

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Capoeira

Capoeira ist eine afro-brasilianische Kunstform und nationales Kulturerbe Brasiliens. In der Capoeira verschmelzen Musik, Tanz, akrobatischer Kampfkunst und Ritual. Sich zu Musik zu bewegen, seinen Körper und Geist kennen zu lernen, sowie die sozialen Aspekte der Capoeira machen uns viel Freude.
 
Capoeira mit seiner Vielfalt an Bewegung fordert dazu sowohl unsere physischen als auch geistigen Strukturen, die Motorik, die Koordination, die Geschicklichkeit, das Denkvermögen, die Wahrnehmungsfähigkeit wie auch unsere musikalische Fähigkeiten auf positive Art und Weise.

Dazu entwickeln wir ein besseres Wissen und Verständnis über die reiche brasilianische Kultur und seine Geschichte. Von der Zeit der Sklaverei bis heute steht dabei das Instrument des Widerstandes und der Sehnsucht nach Freiheit im Zentrum. Aus dieser Kraft wurde Capoeira geboren, durch Kreativität und Naturbeobachtungen in der neuen Umgebung des Urwalds und der Plantagen dann weiterentwickelt.

Ein Capoeirista zu sein bedeutet, aufmerksam dem Leben gegenüber zu sein, mit all seinen Tücken, Höhen und Tiefen. Capoeira soll dabei einen Beitrag zu einer Lebensphilosophie bieten, die auf Respekt und Würde des Menschen baut.

Praktiziert wird Capoeira in einem Kreis, der auf portugiesisch "Roda" genannt wird. Dazu wird Musik gespielt, welche das Tempo des Spiel bestimmt. Innerhalb des Kreises spielen dann jeweils zwei Capoeiristas gegen- wie auch miteinander Capoeira. Die Dynamik und das Prinzip einer Roda bietet lehrreiche Erfahrungen. Es stellt Schüler auf eine gleiche Ebene, da es nicht allein um ein blosses Gewinnen geht. Denn Capoeira kann nicht alleine ausgeübt werden. Auf diesem Bewusstsein wächst das Gefühl der Gemeinschaft. Aspekte die auch für unser Leben als Bürger in einer Gesellschaft wichtig sind.

So wie im richtigen Leben ist Capoeira ein Spiel, in dem wir auf kreative Art und Weise kämpfen und uns bewegen, um wachsen und uns selbst verwirklichen zu können. Dieser Kampf ist aber nie egoistisch oder einsam. Denn die Erkenntnis, dass wir nur dank unseren Mitmenschen wachsen und uns selbst verwirklichen können, lässt nicht uns selbst, sondern unser Umfeld ins Zentrum rücken.

Die Graduierungen, welche man in der Capoeira von seinem „Meister“ erhält und die sich in den Farben der Kordeln wiederspiegeln, zeigen diesen Erkenntnisprozess und sollen uns anspornen, die Anforderungen und Bürden des wirklichen Leben mit seinen verschiedenen Etappen zu überwinden und schätzen zu lernen.     

  

"Capoeira ist Vergnügen, Capoeira ist ein Fest, Capoeira ist Freude...aber im richtigen Moment ist sie Verteidigung"
Mestre Jao Pequeno



Die Geschichte der Capoeira 


Mit der Kolonialisierung Brasiliens im 16. Jahrhundert durch die Portugiesen begann eine neue Epoche in der Geschichte Brasiliens. Die Portugiesen erkannten schnell den natürlichen Reichtum des Landes und sahen in der Sklavenarbeit ein ideales Instrument, diesen Reichtum für sich wirtschaftlich zu nutzen.

Anfangs nutzen sie die Arbeitskraft der dort lebenden indigenen Bevölkerung. Allerdings führten die körperlichen und kulturellen Eigenarten der Indios, zusammen mit ihrem Widerstand gegen die Zwangsarbeit, bald zu ihrer schnellen Dezimierung. Die Kolonialherren suchten nach Lösungen und fanden sie in der Versklavung von afrikanischen Völkern. Der Handel mit dem "schwarzen Mann", der vom afrikanischen Kontinent in die neue Welt herübergebracht wurde, war der Beginn der großen Tragödie, die die brasilianische Gesellschaft brandmarkte. Die Zeit der Quälerei, das Gesetz der Peitsche und des Todes als Herrscher über die Arbeitsverhältnisse.

Schon zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurden tausende Afrikaner nach Brasilien verschifft und mit ihnen erfuhr die Geschichte des Landes enorme Veränderungen. Zu Anfang war es die Arbeit auf den Zuckerrohrfeldern, danach im Bergbau und anderen Tätigkeiten. Obwohl sie gegen ihren Willen gefangen und verschleppt wurden, brachten die afrikanischen Sklaven ihre Kultur, ihre Erfahrungen und den Samen der Freiheit mit, der nie erstarb, nicht einmal dort, wo Horror und Versklavung herrschten.


Die Produktion in den Kolonien fand direkt hauptsächlich auf den Feldern statt, wo die Sklaven leben und arbeitet mussten. Nach ersten Überlieferungen wurde mit Capoeira ein Tanz der Sklaven im kargen Buschland bezeichnet, das nach Brandrodungen des Waldes für spätere Pflanzungen wuchs.

Diese gerodeten Flächen wurden in der Sprache der Indios "capu era" genannt.

Zu dieser Zeit wurde Capoeira zumeist auf den Feldern ausgeübt. Es gibt nur mündliche Überlieferungen von Capoeira auf Farmen oder in Hüttensiedlungen, in denen Capoeira sowohl als Tanz als auch als gefährlicher Kampf der Sklavenrebellionen beschrieben wird. Die schwarzen Capoeiristas wurden jedoch gefürchtet, auch von Farmern.
Weil die Entfernungen auf dem sehr Land groß waren und es auch keine Möglichkeiten zu Informationsaustausch oder gemeinsamen Feste der Sklaven der unterschiedlicher Farmen gab, wurde der Verkauf an andere Herren oder die Flucht zum wichtigsten Kommunikationsmittel der Sklaven. Der Verkauf an andere Besitzer oder die Flucht wurden sehr wichtig, weil sich dadurch die Capoeira weiterentwickelte und unter den unterschiedlichen Sklavengruppen bekannter wurde. Capoeira begann sich somit in der Gemeinschaft der unterschiedlichen afrikanischen Kulturen in Brasilien zu entwickeln. Diese Entwicklung wurde durch den Sklavenmarkt ermöglicht, der die unterschiedlichsten afrikanischen Kulturen zusammen führte.


Durch den Handel, der auf großen Märkten veranstaltet wurde – Einfuhr, Ausfuhr und Sklavenhandel, konnten sich die Sklaven mit ihresgleichen treffen, Informationen austauschen und am Schluss auch kleine Feste mit Tänzen, Gesang und den ersten Capoeira Vorführungen organisieren. Über solche Märkte, die sich auch bei den Portugiesen großer Beliebtheit erfreuten, konnten sich die afrikanischen Sklaven versammeln und die wichtigsten Elemente für die Entwicklung der Capoeira zusammenfügen.

Durch den besseren Informationsaustausch konnten sich die Sklaven der verschiedenen Farmen auch über Fluchtrouten zu den Quilombos informieren, manchmal waren dies bloß Gerüchte manchmal stimmten die Information. Als Quilombos wurden damals Ansiedlungen von geflohenen Sklaven bezeichnet, die meistens fernab von portugiesischen Ländereien versteckt im Busch entstanden, wo Sklaven wieder in Freiheit leben konnten. Hier verbreitete sich Capoeira besonders wie auch die Verschmelzung der verschiedenen Religionen. Indem die geflohenen Sklaven ihre Traditionen fortführten und so ihre Kulturen miteinander vermischten. Die größten kulturellen Einflüsse kamen von den Nagô und den Bantus.

Die Quilombos sind somit ein weiteres sehr wichtiges Kapitel dieser Geschichte. Sie waren eine der wichtigsten Symbole des Kampfes für Freiheit und Einheit der afrikanischen Völker in Brasilien.

Durch die Abschaffung der Sklaverei im 19. Jahrhundert verbesserte sich die Situation der ehemaligen Sklaven nicht wirklich. Viele fanden sich, zwar frei, doch auf den Straßen wieder ohne Arbeit, Unterkunft und Essen. Weil sie keine andere Möglichkeit zu überleben hatten, fingen sie an zu rauben und plündern, wobei sie sich der Capoeira als Hilfsmittel bedienten. Dadurch änderte sich das Ansehens der Capoeira, als man anfing, Capoeiristas als Kriminelle und Ganoven zu betrachten. Von 1890 bis 1937 wurde die Capoeira gesetzlich, unter Strafandrohung von zwei bis sechs Monaten Gefängnis, verboten.

Die ersten drei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts waren geprägt von ständigen Konflikten zwischen der Polizei und Capoeiristas, die auch Waffen wie Rasierklingen und Macheten benutzten. Die Capoeiristas nutzten öffentliche Feiern und Feste um zu rauben, zu plündern, sich zu prügeln und Unordnung zu stiften. Brennpunkte dieses Geschehens waren die Bundesstaaten Pernambuco, Bahia und Rio de Janeiro. Gerade im letztgenannten Staat war die Besorgnis der Regierung besonders groß, was zur weiteren Vernichtung der Capoeira führte.

Die Einführung der Capoeira Regional durch Mestre Bimba (Manoel dos Reis Machado) war ein extrem bedeutsamer Schritt hin zur Legalisierung der Capoeira und zur Rettung seines Wertes. Dadurch löste sich die Capoeira von dem kriminellen Image, hin zu einem Nationalsport und kulturellem Erbe. Auf der anderen Seite war es zur gleichen Zeit Mestre Pastinha (Vicente Ferreira Pastinha), der in der Capoeira Angola voranschritt, um auf diese „Vermischung“ des Capoeira Regional zu reagieren und die reine Capoeira zu bewahren. Sein Stil des Capoeira Angola verbreitete sich, um sich klar und deutlich vom Stil der Capoeira Regional abzusetzen.

Im Jahre 1937 wurde die Capoeira endlich gesetzlich zugelassen und entwickelte sich von diesem Zeitpunkt stark weiter. Dadurch begann auch ein soziokultureller Aufstieg und die Capoeira betrat wieder die Szenerie der kulturellen Ausdrucksformen Brasiliens. Capoeira fand sich in der Musik, in den plastischen Künsten, der Literatur und im Schauspiel wieder. Die schwarze Epoche seiner Geschichte, als Capoeira und all seine Ausdrucksformen vollständig von der Gesellschaft ausgegrenzt wurden, war beendet und es wurde zum Kulturerbe eines ganzen Volkes.

Capoeira überlebte, die ehemals afrikanischen Sklaven und ihre Nachkommen bewahrten ihren Kampf. Durch seine Veränderungen wurde aus der Capoeira etwas rein Brasilianisches. Diese Fähigkeit der Capoeira, des Widerstandes und des Überlebenskampfes unter harten und schwierigen Bedingungen verdanken wir der afrikanischen Bevölkerung Brasiliens.

Heute findet Capoeira in allen Rassen und sozialen Stufen Brasiliens und anderen Ländern eine immer größere Zahl Anhänger. In diesen anderen Ländern findet Capoeira die globale Bedeutung, die ihm zusteht – als Kunst, die sich in Rhythmen und Bewegungen äußert und die die ganze Kreativität eines unterdrückten Volkes zum Ausdruck bringt. Trotz dieser Entwicklung kennt die Gesellschaft den Wert und den Beitrag, den man aus der Theorie und Praxis des Capoeira gewinnen kann, noch viel zu wenig.

 

Text: CPPA Brasilien
Übersetzung: Visconde

 



Capoeira Angola

Bevor Mestre Bimba Capoeira Regional erfand wurde Capoeira Angola einfach Capoeira genannt. Mit dem Auftreten des Capoeira Regional von Mestre Bimba kam aber auch der Begriff Capoeira Angola auf.

Der berühmteste und bekannteste Mestre im Capoeira Angola ist Mestre Pastinha. Von ihm stammt die Aussage:

„Capoeirista ist nicht derjenige, der seinen Körper bewegen kann, sondern derjenige, der seinen Körper durch die Seele bewegen lässt.“

Vielleicht weil sich in Brasilien die Capoeira Regional so stark als Kampfart verbreitet hat, entwickelte sich die Ansicht, Capoeira Angola sei nicht für eine Auseinandersetzung geeignet.
Dies verstärkte sich noch dadurch, dass es in den alten Rodas vor Mestre Bimba´s Zeit nicht zu echten Kampfsituationen kam.
pastinha

Dennoch legten die alten Mestres Wert darauf, dass diese kämpferischen Situationen sehr wohl vorkamen, nur eben anders und zwar, dass die Kämpfer sich gegenseitig eher in Beweglichkeit und List maßen – oder „Mandinga“, wie man im Capoeira sagt –, als rein mit primitiver Kraft.

Mestre Pastinha betont in seinem Buch Capoeira Angola: “Zweifellos sieht Capoeira wie ein graziler Tanz aus, und die listigen Bewegungen zeigen die enorme Flexibilität der Capoeiristas. Aber Capoeira ist vor allem ein Kampf und zwar ein gewalttätiger Kampf.“
 


Capoeira-Glossar

Wir erheben selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Falls Ihr einen Begriff vermisst, schickt uns einfach eine Mail und wir fügen ihn, nach Prüfung, ein. Das Glossar haben wir in folgende Rubriken eingeteilt:


Allgemein


A
abadá - Capoeirahose

abalá - von: abalar = sich in Bewegung bringen, nach unten gehen
academia - Capoeira Schule
acarajé - bahianische Köstlichkeit aus fritiertem Bohnenbrei, gefüllt mit Shrimps und einer scharfen Soße
aluno - Capoeira-Schüler; discípulo
Angola - Traditioneller Capoeira-Stil, zeichnet sich durch langsamere Bewegungen und einem bodennahem Spiel aus
angoleiro - capoeirista, der hauptsächlich Angola spielt
Aruanda - Begriff aus den afro-brasilianischen Kulten; Bezeichnung für den Aufenthaltsort der Orixás und anderen Gottheiten
axé - geistige Kraft, positive Energie, Begriff aus der Candomblé (afro-brasilianische Kulte)

B
bamba - Exzellenter Capoeirista
banzo - Traurigkeit, Sehnsucht, Melancholie
bará - Erscheinungsform von Exu, überbringt Nachrichten der Götter an die Menschen
baraúna - Großer Baum mit schwarzem Holz; der Name stammt aus dem Tupi-Wort ybiraúna.
barravento - Begriff aus der Nautik, zu deutsch Luv, die dem Wind zugewandte Seite; Bezeichnung für den Moment, in dem man das Gleichgewicht verliert; auch Bezeichnung für einen Tritt
batizado - Initiationsritual der Capoeira; Taufe
brincar - kindliches Spiel

C
caboclo - Mischling zwischen Indianern und Weißen; Indianergeist
camafeu - Halbedelstein mit zwei farbigen Kammern
camará - Kamarad; Trainingspartner
Camboatá - kleiner Süßwasserfisch
carmo - Stadtteil in Salvador/Bahia
Candomblé - Afro-brasilianischer Kult, geht auf das afrikanische Volk der Yoruba zurück, in Bahia weit verbreitet
capoeirista - Capoeira-Spieler
contemporânea - Bezeichnung für die zeitgenössische Capoeira, die sich aus der Regional entwickeltet hat.
contramestre - Capoeira-Trainer, der dem mestre assistiert.
corda/cordão/cordel - farbiger Gürtel, der das spielerische Niveau des Capoeiristas anzeigt. Üblicherweise wechselt man die Farbe der corda bei der troca de corda. Die Farbfolge variiert von Gruppe zu Gruppe

D
Dendê - genauer: óleo de aceite-de-dendê; aus den Früchten der Dendê-Palme gewonnenes Öl, wichtiger Bestandteil der bahianischen Küche
discípulo - Capoeira-Schüler, aluno

E
Egum - Seelen der Vorfahren
esquenta banho - Bezeichnung für eine Art freies Training vor dem Duschen, die auf Mestre Bimba zurückgeht. Es gab in seiner academia nur Duschen mit kaltem Wasser und die Capoeiristas haben sich warm gehalten, um das kalte Wasser besser zu vertragen.

F
faca de tucum - Messer, aus dem Holz einer bestimmten Palme hergetellt; kann schwer heilende Wunden zufügen
Favela - illegale Siedlung; Slum
formatura - Graduationzeremonie für einen neuen Capoeira-mestre

G
gameleira - großgewachsener Baum, wird u.a. bei der Produktion von Einbooten verwendet

I
Iemanjá - weiblicher Orixá, Königin des Meeres
Ilha de Maré - Name einer Insel im Bundesstaat Bahia

L
Lapinha - Stadtteil in Salvador/Bahia

M
maculêlê - Traditioneller Stockkampf mit Musik, oft mit Capoeira gemeinsam aufgeführt, ist allerdings kein genuiner Bestandteil der Capoeira, sondern eine afrobrasilianische Kulturform
malandragem - Schlitzohrigkeit; auch Synonym für Capoeira spielen
malandro - Gangster, Schurke, aber mit einer gewissen Bauernschläue ausgestattet
malha - bunte Trainingshose
malícia - List, Tücke
mandingueiro - Helfer, Heiler, Synonym für Capoeirista
mangangá - Medizinmann
mestre - Meister, erfahrener Capoeirista
moleque - Straßenkind
movimentação - Bewegungen, Spiel ohne golpes
O
Orixá - afrikanische Heiligkeit aus den afro-brasilianischen Kulten
Oxalá - Ranghöchster Orixá, wird von den schwarzen Brasilianern mit Jesus Christus synkretisiert (Anmerkung: Synkretismus=Vermischung von Lehren oder Religionen)

P
patuá - schützendes Amulett, meist um den Hals getragen
Preto Velho - Geister der afrikanischen Sklaven, die in der Umbanda eine Rolle spielen

R
Regional - vollständig: Luta Regional Bahiana; moderner und schnellerer Capoeira-Stil, geht auf Mestre Bimba zurück, als Kritik an die traditionelle Capoeira gemeint. In letzter Zeit hat sich auch der Begriff Capoeira contemporânea als Bezeichnung für die zeitgenössische Capoeiraform etabliert

S
saída - Ausgang; übliche Stelle, um in eine Roda zu gehen, meist an der Stelle, wo sich die Instrumente befinden
seqüência - Bewegungsfolge, gehen auf Mestre Bimba zurück und bestehen aus 11 Bewegungsfolgen

T
troca de corda - Wechsel der corda

V
vadiação - abhängen, Zeitvertreib; Synonym für Capoeira




Roda


C
chamada - Ruf; Möglichkeit das Spiel zu unterbrechen, man `ruft` den Partner und führt dabei eine Art Tanz auf. Üblicherweise in einer roda de Angola.
comprar o jogo - das Spiel kaufen, in ein laufendes Spiel hineingehen, man geht dabei zwischen die beiden Spielenden und ' kauft' denjenigen heraus, der schon länger spielt. Anmerkung: mestres haben es nicht gerne, wenn man sie rauskauft

D
dar volta ao mundo - 'die Welt umrunden'; Möglichkeit ähnlich wie bei der chamada das Spiel abzukühlen, beide Capoeirista gehen dabei hintereinander um die roda herum und beginnen das Spiel wieder vom do Berimbau aus.

I
I ê! - Ausruf zur Beendigung einer Roda

J
jogador - Spieler
jogar - spielen
jogo - Spiel

L
ligeiro - leicht, luftig; Bezeichnung für ein entspanntes Spiel, ohne Aggressivität

P
- Fuß; Ort vor dem Berimbau

R
roda - Kreis; Ort, wo Capoeira gespielt wird





Geschichte



B
Besouro Mangangá - Legendärer Capoeirista aus Santo Amaro/Bahia; wird in vielen Liedern besungen

G
Ganga Zumba - Großer Herr; Führer der quilombo dos Palmares ab ca. 1635; stand dem quilombo ca. 40 Jahre vor und widerstand zahlreichen Angriffen der portugieisischen Kolonialverwaltung; wird in zahlreichen Capoeira-Liedern besungen

L
Lampião - Spitzname von Virgulino Ferreira da Silva, legendärer Outlaw, der im Nordosten Brasilien sein Unwesen trieb

I
iaiá, ioiô - Bezeichnung der Sklaven für die Kinder der Herren

M
Marancangalha - Dorf in Bahia, bekannt durch die den Capoeirista Besouro Mangangá
mocambo - Gemeinschaft aus entflohenen Sklaven

Q
quilombo - Gemeinschaft aus entflohenen Sklaven
quilombo dos Palmares - größte und bekannteste Sklavensiedlung; Gründung wird in die neunziger Jahre des 16. Jahrhunderts datiert; in der Blütezeit beherbergte Palmares 8.000 Menschen und dehnte sich auf einer Fläche zwischen 6.000 und 27.000 Quadratkilometer aus

S
senzala - Ort, wo die Sklaven untergebracht waren

Z
Zumbi - 1655 in Palmares geboren; wuchs bei einem christlichen Padre auf; ging im Alter von 15 Jahren zurück nach Palmares, um sich dem Widerstand anzuschliessen; stand dem quilombo mit 22 Jahren vor und konnte es in zahlreichen Schlachten verteidigen; wurde 1695 angeblich durch Verrat von Freund António Soares getötet; mit seinem Tod erstarb auch der Widerstand Palmares





Bewegungen


ginga - fundamentale Capoeira-Bewegung

Akrobatische Bewegungen



A
- Rad
aú sem mão - Rad ohne Hände
aú amazonas - einhändiger Handstand mit Tritt nach vorne

B
bananeira - Handstand

D
duplo-S - Doppel-; aus der Hocke schwingt man sich mit Hilfe eines Beines in eine Art ->aú

F
floreios - Akrobatische Bewegungen

M
macaco - Affe; Rückwärtsbewegung aus der Hocke nach hinten, ähnlich FlickFlack
macacão - wie macaco, diesmal aus dem Stand
mortal - Salto

P
pião - Drehung auf Kopf oder Hand

R
raíz - Wurzel; sieht aus wie eine Mischung aus meia lua de com passo mit Handstandüberschlag
relógio - Uhr; kreisförmige Drehung auf einer Hand





Offensive



A
armada - Drehtritt im Stand
ataque - Angriffsbewegung

B
banda - Fußfeger
bênção - Segen; frontaler Tritt mit ganzer Fußsohle

C
cabeçada - Kopfnuss

D
desequilibrante - Bewegung, um den aus dem Gleichgewicht zu bringen

G
galopante - Ohrfeige
golpe - Hieb, Stoß; offensive Bewegungen
gancho - Haken; ähnlich martelo, nur versucht man mit der Hacke den Kopf des Gegners zu treffen

M
martelo - Hammer; Tritt, wobei der Körper seitlich gedreht wird
martelo cruzado - gekreuzter Hammer; Sprungtritt
martelo de chão - Hammer vom Boden; martelo aus der Hocke heraus
meia-lua de com passo - Halbmond mit Schritt; drehender Tritt mit beiden Händen auf dem Boden
meia-lua de frente - frontaler Halbmond; frontaler Tritt, man zeichnet dabei mit dem Fuß einen Halbmond in die Luft
meia-lua presa - wie meia-lua de com passo, nur mit einer Hand

P
pisão - großer Tritt; frontaler Tritt ähnlich bênção, jedoch mit dem Fußballen getreten
pisão rodado - gedrehter Tritt, aber aus dem Stand heraus

Q
queda - Wurf; alle Arten von Bewegungen, den Gegner zu Boden zu bringen
queda de rins - Fall über die Nieren; seitliches wegfallen, wobei ein Arm den Fall auffängt, indem er den Ellenbogen in die Seite stemmt
queixada - Tritt, bei dem man sich vorher seitlich stellt und dann das Bein loslässt

R
rasteira - Fußfeger
rasteira de costas - mit dem Rücken zugewandt
rasteira de frente - frontal





Defensive



B
balanço - Schwingbewegung des Oberkörpers bei der ginga
base - Körperstellung bei der ginga

C
cadeira - Stuhl, Sitz; defensive Bewegung, ich denke der Name sagt alles
cocorinha - Ausweichbewegung, ähnlich negativa, nur das vordere Bein bildet am Knie einen rechten Winkel
contragolpe - Gegentritt, schnelle Antwort auf eine offensive Bewegung

D
defesa - defensive Bewegung

E
esquiva - primeira, - segunda, - terceira; Defensivbewegungen
fechar o corpo - 'den körper schliessen; sich möglichst klein machen, wenig Angriffsflächen bieten

N
negativa de frente - Defensivbewegung; ein Bein ist vorne, auf dem anderen sitz man

R
rolê - seitliches Wegrollen aus der negativa





Musik



B
bateria - Capoeira-Orchester; Mindestbesetzung: 1 Berimbau, 1 pandeiro, 1 atabaque

Instrumente



A
agogó - Kuhglocke
amarrar - Berimbau spielfertig machen
arame - Metallsaite der Berimbau, wird aus Autoreifen gewonnen
atabaque - Fasstrommel

B
baqueta - Schlagstock der Berimbau
bater palma - in die Hände klatschen
berimbau - Musikbogen; charakteristisches Instrument der Capoeira
beriba - Holzsorte aus der Berimbaus hergestellt werden

C
cabaça - Kalabasse; dient der Berimbau als Resonanzkörper
caxixí - kleine Rassel aus Bast, gefüllt mit Muscheln oder Körnern

D
dobrão - Münze, mit der die Tonhöhe beim Berimbau-spielen verändert wird

E
envergar o berimbau - Berimbau spannen

G
gunga - tiefgestimmte Berimbau

M
médio - mittelhochgestimmte Berimbau
moeda - Münze, mit der die Tonhöhe beim Berimbau-spielen verändert wird, auch: dobrão

P
pandeiro - Tambourine
R
reco-reco - geripptes Stück Bambus, das mit einem Stock zum klingen gebracht wird

V
vara - Holzstock, der 'Körper' der Berimbau
verga - Holzstock, der 'Körper' der Berimbau
viola - hoch gestimmte Berimbau





Gesang



C
chula - Einführender Gesang, oft im Anschluss an eine ladainha gesungen
côro - Refrain
corridas - Lieder mit kurzen Strophen und Refrains, beim schnellen Spiel gesungen

L
ladainha - langes Lied, erzählt oft eine Geschichte, zu Beginn einer Angola-roda gesungen





Toques


Hier soll nur ein Überblick gegeben werden, welche Toques es gibt und zu welchen Anlässen sie gespielt werden. Wenn ihr wissen wollt, wie sie klingen, hört ihr Euch am besten die Soundfiles unter Musik an oder fragt eure Trainer.

A
Amazonas
Angola - langsamer Rhythmus

B
Benguela - Langsameres Spiel, hier kommt es sehr auf Ausdruck und Zusammenspiel an

C
Cavalaria - Kavallerie; früher gespielt, um vor anrückender Polizei zu warnen

I
Idalina - wird zu einer roda mit Rasierklingen gespielt
Iúna - wird beim Spiel von Graduierten oder mestres gespielt

L
Lamento - Trauerstück, wird gespielt, wenn ein Capoeirista gestorben ist

S
Santa Maria - von Mestre Bimba als Hymne der Capoeira bezeichnet.
São Bento Grande - schnelles Tempo, schnelles und offensives Spiel
São Bento Grande de Mestre Bimba - etwas anders gespielt als São Bento Grande, aber auch schnelles Spiel
São Bento Pequeno - langsames Tempo, langsameres Spiel, kleine Variation von São Bento Grande
Samango - Das Ungewöhnliche an diesem Toque ist, dass die cabaça mit der baqueta angeschlagen wird
Samba de Roda - mit Berimbau gespielter Sambarhythmus

T
toque - mit dem Berimbau gespielte Melodie


Zusammengestellt von Suxi:
suxi@capoeira.de

 

 
 


Mestres

1
Mestre João Pequeno
Salvador/Brasilien
1
Mestre Camisa
Rio de Janeiro/
Brasilien
1
Mestre Itapoan
Savaldor/Brasilien
1
Mestre Nestor Capoeira
Rio de Janeiro/
Brasilien
1
Mestre Suassuna
São Paulo/Brasilien
1
Mestre Artur Emídio
Rio de Janeiro/
Brasilien
1
Mestre Gigante
Salvador/Brasilien
1
Mestre Deputado
Goiânia/Brasilien
1
Frederico José de Abreu-
Historiker
1
Mestre Lua
Salvador/Brasilien
1
Mestre Medeiros
Rio de Janeiro/
Brasilien
1
Mestre Nô
Salvador/Brasilien
1
Mestre Boneco
Los Angeles/USA
1
Mestre Ousado
London/GB
1
Mestre Burguês
Curitiba/Brasilien
1
Mestre Barrão
Vancouver/
Kanada
1
Mestre João Grande
New York/USA
1
Mestre Jelon
New York/USA
1
Mestre Boca Rica
Salvador/Brasilien
1
Mestre Neco
Salvador/Brasilien
1
Mestre Jair Moura
Salvador/Brasilien
1
Mestre Nacional
Rio de Janeiro/
Brasilien
1
Mestre Peixinho
Rio de Janeiro/
Brasilien
1
Mestre Toni Vargas
Rio de Janeiro/
Brasilien
1
Mestre Paulinho Sabiá
Rio de Janeiro/
Brasilien
1
Mestre Gato Preto
Salvador/Brasilien
1
Mestre Gildo Alfinete
Salvador/Brasilien
1
Mestre Boa Gente
Salvador/Brasilien
1
Mestre Moa Do Catendê
Salvador/Brasilien
1
Mestre Bola Sete
Salvador/Brasilien




 

 

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